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US_UK Sansibar-Projekt 2016/2017

"Schulpartnerschaft Hamamni-Falkensee gemeinsam nachhaltig gestalten"

Das Projekt wird unterstützt aus dem Fond "Jugend für Entwicklungszusammenarbeit" des Landes Brandenburg und der Stiftung Nord-Süd-Brücken.

Brandenburg Nord Süd Brücken

Außerdem geht mein herzlicher Dank an alle privaten Spender und meine Gastfamilie auf Sansibar.

3. April 2017: Bericht 12 - 65 Stunden

65 Stunden, das ist die Zeit, die ich noch habe, bis ich in Deutschland lande. Meine Koffer sind schon gepackt, ich muss nur noch meine Schere und ein, zwei Kleidungsstücke darin unterbringen.

Nach dem ich gestern komplett pleite war, habe ich heute nochmal 10 Euro für Wasser und die letzten Abschiedsgeschenke umgetauscht, morgen gehe ich in die Schule um den Flug einzuchecken. Heute verbringe ich nochmal bei Salma, vormittags wurden mir schon Hände und Füße mit Henna bemalt, später werden mir noch die Haare geflochten. Morgen Mittag muss ich mich dann von ihrer Familie verabschieden ... Wirklich traurig bin ich im Moment noch nicht, eher teilnahmslos. Ich glaube, das ist zum Schutz, damit ich die letzten Tage noch genießen kann.

Soviel also zu den Stunden, die mir noch bleiben. Seit dem letzten Bericht ist aber schon wieder eine ereignisreiche Woche vergangen, von der ich Euch auch erzählen möchte.

Letzten Mittwoch hatte ich meine letzte Stunde mit den Großen. Wir haben fast eine Stunde überzogen, aber auch richtig viel gemacht. Ich habe ihnen ein Handout zum Perfekt (also der Vergangenheit) ausgedruckt und wir haben dann auch noch über fast alle anderen Zeitformen gesprochen. Sehr interessant war die Feststellung eines Schülers, dass die 'starken Verben' (mit unregelmäßigem Partizip) im Deutschen und Englischen zumindest meistens übereinstimmen!

Am Donnerstag hat es auf dem Schulweg angefangen sehr stark zu schütten. Da ich nicht zu spät kommen wollte, habe ich mich nicht wie alle anderen untergestellt, sondern bin durch teilweise 10cm tiefe Bäche und enge Straßen, in denen man zwangsläufig unter dem Dachrand laufen muss, zur Schule gestapft. Dort war die Tür abgeschlossen, man hatte offensichtlich nicht mit Menschen gerechnet. Ich habe dann auch erfahren, dass Regen ein legitimer Grund zum Zuspätkommen ist. Aber zu dem Zeitpunkt hat mir das auch nichts mehr genützt. Ich war schon nass bis auf die Knochen und mein Rucksack hat sich auch nicht als wasserfest erwiesen, sodass alle Bücher, die ich mithatte, jetzt einen Wasserschaden haben. Da in einem Monat Form-VI-Prüfungen sind, wohnen im Moment einige Schüler*innen zum "Lerncamp" in der Schule. Eine von ihnen hat mir netterweise ein anderes Outfit geliehen und ich konnte meine Sachen in ihrem Schlafraum ein wenig trocknen.

Der Unterricht mit den Kleinen war auch ohne Bücher ganz gut, bis auf das Ende. Für die letzte Stunde hätte ich mir einen schönen Abschluss gewünscht, aber mitten in einer Erklärung kam ein Junge rein und meinte, alle Schüler*innen müssten sofort zu Mrs. Whahida gehen. Ich bin erstmal mitgekommen, wurde aber nach Hause geschickt, weil sie eine Überraschung für mich vorbereiten wollten. Am Samstagnachmittag gab es nämlich eine kleine Abschiedsparty für mich.

Am Freitag war ich aber erstmal noch in der Mtopepo School, wo ich für Teacher Khalfans Schüler*innen eine Präsentation halten sollte, wie man eine erfolgreiche AG aufbaut. Khalfan war aber gar nicht da, er hatte das total vergessen und musste jetzt zu einer Hochzeit oder so gehen. Die anderen Lehrer*innen schienen keine Ahnung zu haben, wer ich bin. Einer dachte glaube ich, ich wäre eine neue Freiwillige für die Schule, andere haben um meine E-Mail-Adresse gebeten, um in einen E-Mail-Austausch zu kommen. Während der Präsentation war auch gar kein Lehrer anwesend. Die Schüler*innen waren aber sehr interessiert und haben auch ein paar Fragen gestellt, sodass der Besuch doch ganz gut war.

Und Samstag dann die Party. Ilham musste vormittags schon zur Schule, wir haben also abgemacht, uns um vier in der Stadt zu treffen uns zusammen zum Forodhani zu gehen, einem Park in der Nähe des Hafens. Ich hatte die Idee, vorher noch Kekse zu backen und hatte auch alles geklärt, aber leider war der Strom den ganzen Vormittag abgeschaltet.

Bei meiner kleinen Party saßen wir in der Nähe vom Forodhani auf einer großen Bank, haben gegessen und alle Schüler*innen sollten sich bei mir mit ein paar Sätzen bedanken. Das war sehr lieb gemeint von Whahida, aber man hat gesehen, wie schwer es den Meisten fiel, sich spontan was auszudenken, deshalb taten sie mir ein bisschen leid. Dann gab es noch Essen, wir haben Fotos gemacht und schließlich kam meine Überraschung: ich habe von Jedem ein Geschenk bekommen, zum Beispiel ein Armband, Tücher und Gewürze. Das hätte ich echt nicht erwartet! Manche von den Schüler*innen kenne ich nicht mal richtig! Das war echt unglaublich lieb!

Direkt neben unserer Bank war das "Park Hyatt Hotel", ein erst 2015 eröffnetes Luxushotel. Auf dem Rückweg wurden wir eingeladen, uns ein bisschen im Foyer umzuschauen und Fotos zu machen. Es sah von innen immer noch so weiß und frisch aus wie gestern eröffnet, außerdem sehr geräumig und mit Sesseln, die zu groß zum Sitzen sind. Ich habe gefragt, das billigste Zimmer kostet 385 Dollar pro Nacht, und das ist noch nicht mal mit Vollpension. Ich glaube, da besuche ich doch lieber meine Gastfamilien, wenn ich wiederkomme;)

Gestern war ich noch mal in der Mikunguni School. Teacher Khalfan hat mir ein paar Briefe für Deutschland mitgegeben und ich habe eine letzte Deutschstunde gehalten. Einer der Schüler hat am Ende noch nach allen möglichen Vokabeln gefragt, mit dem Ziel, folgenden Satz zu bilden: "Ich brauche ein Geschenk, wenn du zurück nach Sansibar kommst." Ich habe ihm all die Wörter gegeben und schließlich den Satz für ihn gebildet und währenddessen die ganze Zeit nachgedacht. Ich finde diese Forderung nämlich ziemlich dreist. Jetzt weiß ich allerdings nicht, ob ich das zu eng sehe, ob das eine andere Kultur ist, oder ob der Typ wirklich unhöflich ist. Da ich ihn vermutlich nicht wiedersehen werde, ist es aber eigentlich egal.

Gestern Abend habe ich meine Koffer gepackt und die ersten Abschiedsgeschenke verteilt. Ilham ist nämlich nach Bububu gefahren, um dort mit ein paar Freunden für ihre Prüfungen zu lernen, die heute angefangen haben. Sie kommt erst Mittwoch nach der Schule wieder nach Hause, um mich zum Flughafen zu bringen. Als ich das erfahren habe, war ich schon ein bisschen traurig.

So, jetzt ruhe ich mich aber noch ein bisschen aus, bevor mir die Haare geflochten werden.

Letzte Grüße aus Sansibar

Jana

27. März 2017: Bericht 11 - Uroa, Nungwi und zwei Mütter

Im letzten Bericht hatte ich ja erzählt, dass ich am Donnerstag wieder nach Uroa fahren würde. Am Mittwochvormittag habe ich dann erfahren, dass der Plan geändert wurde. Die Schule in Uroa scheint im Moment ein schlechtes Management zu haben und will/ soll deshalb keine Projekte machen. Meine Reise wurde deshalb auf Freitag verschoben, der Schulbesuch abgesagt.

Freitag um 12 hat mich Ilhams Vater zur Daladala-Station Mwembeladu gebracht, an der das Daladala nach Uroa abfährt. Ich habe naiverweise gedacht 'Uroa' wäre nur eine Station und so hatte ich leider keine Ahnung, als mich der Konda (Schaffner) gefragt hat, wo ich denn raus muss. Ich habe mich dann für die Schule entschieden, von dort ist der Weg zu Khadija zwar ziemlich weit, aber ich würde mich wenigstens nicht verlaufen.

Die Schule ist direkt am Strand, von dort aus läuft man etwa 20 Minuten im Sand und dann noch ein paar Minuten im Dorf. Das Haus von Khadijas Cousine Munawar liegt auch auf dem Weg, also habe ich zuerst bei ihr vorbeigeschaut. Es war aber niemand zuhause. Bei Khadija lief das Radio, die Tür war aber abgeschlossen und niemand hat auf mein Klopfen reagiert. Zwei kleine Jungs, die vorbeikamen, teilten mir dann mit, dass auch hier niemand zuhause sei und Khadija erst um 16 Uhr aus der Schule kommen würde (es war kurz nach 14 Uhr). Also habe ich mich auf die Stufen vorm Haus gesetzt, bereit zwei Stunden zu warten.

Irgendwann hat mich aber eine Tante von Khadija abgeholt und mit zu sich nach Hause genommen. Wir haben uns ein bisschen unterhalten, dann habe ich eine Stunde geschlafen, bis mich Khadijas Mutter abgeholt hat. Ich habe Mittagessen bekommen und mich dann weiter ausgeruht. Khadija kam erst um 18 Uhr, aber Suleiman, auch ein Projektteillehmer von 2015 kam mich besuchen und hat mir das Haus seiner Mutter gezeigt.

Abends saß ich mich Khadija und ein paar Verwandten und Kindern draußen vorm Haus. Sie hatten zwei Malbücher und da Khadija ihnen erzählt hat, wie ich sie im Projekt gezeichnet habe, sollte ich dann auch ein Mädchen zeichnen.

Als ich fertig war gab es Abendessen, dann sind wir schlafen gegangen und am nächsten Morgen wurde ich um 8 Uhr zum Frühstück geweckt.

Ich hatte mir am Freitagmorgen meine Haare selbst geflochten und da das wohl ziemlich schlecht war, wurde ich nach dem Frühstück zu Munawars Verwandten geschleppt, um meine Haare ordentlich zu machen. Danach musste Khadija zur Schule und hat mich bei Suleiman abgeliefert, wo wir Fernsehen geguckt haben. Ich bin aber ständig eingenickt, deshalb hat er mich irgendwann wieder zu Khadijas Haus gebracht.

Suleiman lebt bei seinem Vater und seiner Stiefmutter. Seine Eltern haben sich vor etwa 10 Jahren getrennt. Die Mutter lebt aber auch in Uroa, ein paar Straßen weiter.

Mein Plan war es, mittags wieder nach Chukwani zu fahren. Als wir um 15 Uhr mit Mittagessen fertig waren, habe ich mich deshalb auch schon wieder verabschiedet. Wirklich traurig war ich nicht, da der Besuch zwar nett war, aber irgendwie doch recht ereignislos. Ich meine, ich habe die Hälfte der Zeit geschlafen und Khadija kaum gesehen. Und Suleiman war auch krank.

Wieder zurück in Chukwani gab es noch mehr Mittagessen, diesmal Ugali. Das ist ein Maisbrei, der anstelle von Reis gegessen werden kann, und glaube ich ziemlich klischeehaft für tansanisches Essen. Ich habe ihn aber erst zweimal gegessen.

Ugali
Ugali und Mboga (Maisbrei und Gemüse)

Gestern, am Sonntag, ist meine Gastfamilie mit mir nach Nungwi gefahren. Das liegt ganz an der Nordspitze von Unguja (Zanzibar besteht aus zwei Inseln, Unguja und Pemba). In Nungwi gibt es eine Schildkrötenstation, die wir uns angeschaut haben. Danach haben wir gepicknickt sind am Strand spazieren gegangen, wo wir einen Muschelverkäufer entdeckt haben. Sein Großvater ist Taucher und sammelt die alle selbst aus dem Meer, hat er erzählt.

Schildkroetenstation
Farhat und Imu in der Schildkrötenstation

Picknick
Die ganze Familie beim Picknick

Muscheln
Ilham am Muschelverkaufsstand

Auf der Rückfahrt wurde es schon dunkel, Ilham, ihre Schwester Farhat, ihr Bruder Imu und ich haben die Zeit im Auto dann mit Singen verbracht.
Wir haben noch kurz die Mütter von Ilhams Vater besucht, haben im Auto gegessen und uns zuhause nur noch ausgeruht.

Mütter? Ja, richtig. Im Islam darf ein Mann bis zu vier Frauen heiraten und Ilhams Großvater hat von diesem Recht Gebrauch gemacht. Er ist schon gestorben, aber seine beiden Frauen leben noch zusammen in ihrem Haus. Beide davon bezeichnet Ilhams Vater als Mütter, eine ist seine Geburtsmutter, die andere seine Zweitmutter. Tanten werden hier teilweise auch als Mütter bzw. 'mama mdogo' (kleine Mutter) bezeichnet. Das führt dazu, dass ich meistens die Familienverhältnisse nur erahnen kann, aber Ilhams Vater hat mir alles gut erklärt, sodass ich diesmal wirklich weiß, wer wer ist.

Jetzt ist schon meine letzte vollständige Woche angebrochen, meine letzte Woche Alltag. In 10 Tagen werde ich wieder in Deutschland sein. Vorher gibt es aber noch eine Menge zu tun: eine Party in der Schule, Abschiedsgeschenke besorgen und die letzten Unterrichtsstunden warten auf mich.

Bis nächste Woche

Jana

P.S. In den letzten beiden Wochen habe ich gemerkt, dass ich jetzt wirklich viel Kiswahili verstehe. Längst nicht alles natürlich, aber ich kann mich unterhalten ohne ständig um Wiederholung oder Übersetzung zu bitten, kann einkaufen und Gesprächen zuhören. Manche Leute, wie Ilham, haben das sofort gemerkt und sprechen jetzt noch mehr Kiswahili mir mir. Andere, wie Suleiman, denken glaube ich immer noch, dass ich nicht viel mehr als meinen Namen sagen kann und übersetzen alles für mich:D

20. März 2017: Bericht 10 - Einfach über meine Woche

Letzten Montag bin ich ja wieder zu Ilham gezogen. In der Zeit die ich bei Salma war haben sich hier ein paar Sachen verändert: sie haben jetzt Fische, einen Kühlschrank und einen Computer mit WLAN im Wohnzimmer. Ansonsten ist aber alles wie es war, ich wohne wieder mit Ilham in ihrem Zimmer usw.

Dienstag hatte ich wie geplant Unterricht mit den Form-VI-ern und Shabaan (meinem Nachhilfeschüler), Mittwoch dazu noch mit den Club-Schüler*innen, und am Donnerstag hatte ich nur die 'Kleinen' vom Club. Das war ein Glück, denn mitten in deren Unterricht bekam ich Bauchkrämpfe und Fieber. Da wir ja zum Glück alle sitzen, habe ich die Stunde noch halbwegs durchgehalten und habe mich danach nach Hause geschleppt. Als mir auf dem Rückweg kalt wurde, wusste ich endgültig dass ich krank bin- normalerweise ist es nie kühler als angenehm.

Die nächsten beiden Tage habe ich dann im Bett verbracht, am Freitag ging es mir aber schon wieder ganz gut, ich war bloß noch schwach und Teacher Khalfan meinte auch, ich solle mich ausruhen und nicht zur Mtopepo School kommen. Ich habe mich ein bisschen schlecht gefühlt, weil ich ja letzte Woche schon abgesagt hatte, aber es war glaube ich besser so.

Am Samstag war ich wieder auf den Beinen, aber ich hatte nichts vor und habe deshalb den Tag zuhause verbracht. Mittags kam der erstgeborene Bruder von Ilham vorbei und hat mich in eine Diskussion über Vegetarismus verwickelt, die dann zum Thema Religion wechselte. Er war geschockt von der Vorstellung, dass Menschen keine Religion haben könnten und dass es in Deutschland weder ein Problem ist, schon in der Schule einen Freund/ eine Freundin zu haben (und diese*n auch vor der Hochzeit mehrmals zu wechseln, noch Sex vor der Ehe zu haben. Ich habe einiges über seine Sicht auf den Glauben und auch über den Islam gelernt. Nach einer Weile war es aber anstrengend, da ich die ganze Zeit dass Gefühl hatte, er wolle mich überreden, zu konvertieren.

Nachdem ich noch eine Weile mit Abdul gequatscht hatte war es dann auch schon 23 Uhr und ich bin ins Bett gegangen, am nächsten Tag musste ich schließlich zur Mikunguni School.

Beim Frühstück fing es an zu nieseln (die Regenzeit fängt lansam an...) und bis ich los musste hatte es sich in richtigen Regen verwandelt. Während alle anderen sich drinnen verkrochen haben, bin ich freudig nach draußen gerannt. Endlich mal ein bisschen Kühle!

Regen
Regen!

Bis ich in der Schule war, hatte es aber schon wieder aufgehört. Es war noch nicht ganz 11 Uhr, also habe ich mich erstmal etwas selbst beschäftigt. Ein bisschen ungewohnt war es zwar, um diese Uhrzeit noch alleine zu sein, aber naja. Um halb 12 hatte ich die Hoffnung aufgegeben, dass noch Schüler*innen kommen würden. Und niemand hatte Bescheid gesagt! Ich habe schon mit dem Gedanken gespielt, nächste Woche 'aus Rache' einfach nicht zu kommen, da kam doch noch ein junger Mann.

Wir haben ein bisschen Unterricht gemacht, bis Teacher Khalfan etwas später eintraf. Manchmal lernt er auch mit, aber heute hatten wir eine Verabredung: wir wollten nach Uroa fahren, das Dorf, in dem wir 2015 im Projekt waren.

Bis wir dort ankamen dachte ich, Teacher Khalfan hätte einen Plan, dort habe ich erfahren, dass wir einfach spontan bei meinen alten Freund*innen auftauchen würden. Das hat aber ganz gut geklappt, jetzt haben wir abgemacht, dass ich am Donnerstag nochmal komme und zwei Tage bleibe. Da werde ich dann auch zur Schule gehen.

Uroa
Suleiman, Khadija, ich und Munawar in Uroa

Ja, und heute war wieder Montag. Meine Form-VI-er sind jetzt mit Lektion 6 fertig, ich hoffe ich kann sie noch bis zu Lektion 11 (Vergangenheit) kriegen oder das vorziehen. Aus den nächsten Lektionen haben wir aber schon ein bisschen was vorgearbeitet, deshalb bin ich ganz optimistisch.

Heute Nachmittag war ich mit Salma bei der Schulleiterin Mrs. Khadija zu Hause. Sie hat gerade ein Baby bekommen und ist noch im Mutterschutz. Jetzt sitze ich draußen unterm Sternenhimmel und warte seit knapp 1 1/2 Stunden darauf, dass der Strom wiederkommt. Normalerweise dauert das höchstens 10 Minuten.

Baby
Mrs Kadija mit Baby

Bis Bald!

Jana

P.S. Krank war ich übrigens, weil ich ein selbstgemachtes Wassereis gegessen habe. Ich hatte gehofft, ich würde diese 100ml Leitungswasser mittlerweile vertragen, aber dem war offensichtlich nicht so.

13. März 2017: Bericht 9 - Drei Hochzeiten und ein Skype-Meeting

Den vorletzten Bericht (Der Skype-Fluch) habe ich am Dienstagmorgen vor zwei Wochen geschrieben. Nachmittags, so dachte ich, wäre die ganze Spannung weg, da wir endlich geskypt haben würden. Aber wie sich schon aus meinem komplizierten Satzbau erkennen lässt war dem nicht so.

Ich kam mit ein wenig Puffer in der Schule an und machte mich gleich an die Arbeit. Da mein Lieblingscomputer zuerst nicht anging, nahm ich einen anderen. Skype war noch angemeldet, so musste ich nur das Mikrofon anschließen und begann, die Funktionen zu testen. Aber es gab ein Problem, deshalb versuchte ich es am anderen Computer, der mittlerweile hochgefahren war. Doch dort war es auch nicht besser. Lange Rede kurzer Sinn: das Internet war unglaublich langsam.

Ich schilderte mein Problem dem anwesenden Computerlehrer, der vorschlug, doch ein "Internet Kaff" zu benutzen. Ich wusste zwar nicht, was das ist, war aber dankbar für jede Chance auf schnelles Internet. Wie sich herausstellte meinte er ein Internet-Café und wollte mich dann auch direkt dahinschicken (ohne den Partnerschaftsclub). Anscheinend hatte ich mich nicht so deutlich ausgedrückt wie ich dachte, als ich erklärt hatte, dass wir ein Skype-Meeting mit der deutschen Schule hätten.

Also versuchten wir es mit einem Modem, was aber auch nicht viel brachte. Schlussendlich hatten wir zwar etwa zwei Minuten eine Verbindung aufgebaut, aber die war so schlecht, dass es sinnlos war. Vor allem auf einer fremden Sprache ist es ja so gut wie unmöglich, nur halb übertragene Sätze zu verstehen.

Leider mussten die Falkenseer wieder in den Unterricht, bevor wir einen neuen Termin ausmachen konnten,eine Schülerin schrieb mir aber noch, dass Donnerstag und Freitag ungünstig wären.

Also schlugen die Sansibaris gleich den nächsten Tag, Mittwoch, vor. Die Computerlehrer versicherten, dass das Internet dann wieder schneller sein würde. Das Problem bestünde nur dienstags.

Leider hatten die Falkenseer am Mittwoch doch keine Zeit und so war der nächste Versuch erst am Montag, dem 6. März. Wie abgesprochen war ich um 12 Uhr da. Als um Viertel nach eins meine Deutschschüler*innen auftauchten, saß ich immer noch alleine vorm abgeschlossenen Computerraum. Also begann ich, eine Entschuldigung an Mrs. Whahida zu schreiben, aber in diesem Moment tauchte sie mit den Computerlehrern auf, die mir lang und breit erklärten, dass der Schlüssel zum Computerraum wahrscheinlich geklaut sei. Sie waren aber dabei das zu lösen, und es gab auch noch einen Laptop, der nicht eingeschlossen war. Also gab ich ihnen meine Accountdaten und ging zum Unterricht (meine Schüler*innen sind ziemlich ungeduldig!). Wie ich erwartet hatte, kam kein Skype-Meeting zustande. Die Falkenseer hatten aber auch ein Problem mit der Software, insofern war es nicht nur unsere Schuld.

Nachdem ich um 13:15 echt sauer war, weil schon wieder alle zu spät gekommen waren und dann meine Aufmerksamkeit wollten, habe ich offiziell beschlossen, die Hoffnung aufzugeben und nur noch erwartungsvoll weitere Probleme für meine imaginäre Liste zu sammeln.

Am nächsten Tag, an dem wir den nächsten Termin hatten (der Laptop scheint vom dienstäglichen Internetproblem nicht betroffen zu sein), hat es dann prompt funktioniert. Wir mussten zwar noch ein Update machen, aber Ali kam schon um 12:20, also hatten wir genug Zeit. Leider war ich beim Treffen nicht dabei (ich hatte wieder Unterricht), aber es soll wohl ganz gut gewesen sein.

Ich habe ja jetzt mehrmals erwähnt, dass ich unbedingt zum Unterricht musste. Die letzten Wochen hätte ich einfach ein- oder zweimal absagen können, aber seit dieser Woche habe ich einen "Stundenplan": Montag und Dienstag kommt mein alter Deutschkurs wie gehabt um 13:30, Mittwoch und Donnerstag muss ich schon um 11 da sein und unterrichte die Jüngeren aus dem Partnerschaftsclub (d.h. theoretisch kann ich sogar zwei Stunden nacheinander haben, was ich letzten Mittwoch auch gemacht habe).

Die Neuen gefallen mir auch ganz gut. Die beiden Stunden, die wir bis jetzt hatten, saßen wir alle zusammen auf dem Boden (unser Raum ist nämlich in der " Kagera", so eine Art Hinterhaus. Dort gibt es kaum Stühle sondern große Bodenmatten) und ich bin nur manchmal aufgestanden, um etwas an die Tafel zu schreiben. Ich glaube, eigentlich stehen die Lehrer trotzdem vorne an der Tafel, aber mir gefällt es, gemeinsam im Kreis zu sitzen, und so sind die Hörtexte auf meinem Handy auch besser zu verstehen.

Kagera
Der Deutschclub beim Skypen (Lehrerzimmer)

Soweit also die (ziemlich erfolgreiche) Woche bis Donnerstag. Seit der März angefangen hat, soll ich eigentlich jeden Freitag zu Teacher Khalfan an die Schule (Mtopepo School) kommen. Am Freitag habe ich mich aber entschuldigen lassen, da meine Gastmutter mit mir zu einer Hochzeit gehen wollte. Das wollte ich nicht verpassen, eine sansibarischen Hochzeit (bzw. nach arabischer Tradition) hatte ich schließlich noch nie erlebt!

Aus einer Hochzeit wurden dann plötzlich drei, die erste am Donnerstagabend, die anderen beiden am Freitag. Während ich in Deutschland glücklich das gleiche Kleid anbehalten hätte, wurde ich hier für jede Feier in ein Neues gesteckt (alle von Salma geliehen). Mehrmals mit dem gleichen Kleid aufzutauchen wird nämlich als peinlich erachtet und macht den Anschein, dass die Person sich nicht mehr leisten kann.

Die Hochzeitfeiern waren nach Geschlechtern getrennt, die Männer waren in der Moschee, während die Frauen sich in einem anderen Raum/ Garten versammelt hatten. Alle waren sehr bunt angezogen, viele geschminkt und mit Henna bemalt (ich auch). Auf einer kleinen Bühne gab es Musiker*innen, die gesungen und getrommelt haben, und die Frauen haben getanzt und ihnen Geldscheine zugeworfen. Außerdem wurden Essenspakete in Körben oder Taschen verteilt. Erst ganz am Ende kam das Brautpaar herein und hat fleißig für Fotos posiert. Ob danach noch etwas passiert, weiß ich nicht, denn dann sind wir jedes Mal nach Hause gegangen. Das Tanzen hat dafür gut und gerne zwei Stunden gedauert...

Hochzeitsfeier
Geschminkt für Hochzeitsfeiern

Hochzeitsfeier
Meine Gasteltern und ich vor den Hochzeitsfeiern

Die Hochzeitskultur zu erleben war auf jeden Fall interessant, die Zeremonie an sich fand ich allerdings recht langweilig, da man vom Hochzeitspaar ja wie gesagt kaum etwas mitbekommen hat, und die Musik auch größtenteils auf Arabisch war, sodass ich nichts verstanden habe.

Oh, eine letzte Sache noch: bei der Hochzeitsfeier am Freitagnachmittag sind mindestens 35 Frauen mit Kleidern aus dem gleichen grün-pinken Stoff aufgetaucht, unter anderem meine Gastmutter. Sie erklärte mir dann, dass das als Erkennungsmerkmal diene. In diesem Fall gehörten die Trägerinnen alle zur Familie des Bräutigams. Dieser Partnerlook wird aber meist nur bei den Zeremonien am Nachmittag verwendet (fragt mich nicht wieso...).

Am Samstag habe ich mich ausgeruht und ein paar Einkäufe erledigt, am Sonntag war ich wie gewohnt in der Mikunguni School. Saida und Juma President aus meinem 2015er-Projekt waren das erste Mal da, und dann noch ein paar, die zum zweiten oder dritten Mal dabei waren (zwei von denen können aber schon richtig gut Deutsch und sind bestimmt komplett unterfordert). Wirklich voran komme ich also im Moment nicht, wir machen schon zum dritten Mal fast den gleichen Stoff. Beziehungsweise ich, denn es sind ja jede Woche andere Leute da. Ich merke aber, dass mir die Wiederholung auch was bringt - ich weiß mittlerweile, wo es oft Probleme gibt, welche Wörter (z.B. "Aufgabe") ich schnell einführen sollte und ähnliches. Und da es eh immer eine Überraschung ist, welche Aufgaben wir machen, und ich den Stoff ja schon kenne, muss ich mich immerhin kaum vorbereiten:p

Abends ist Salmas Familie mit mir in den Freizeitpark gegangen, der mit Achterbahn, Autoscooter etc. ziemlich so aussieht wie das Hohen Neuendorf er Herbstfest, bloß dass alles fest installiert ist und eine weit angenehmere Atmosphäre herrscht (viele Familien mit kleinen Kindern, und es ist nicht so laut).

Freizeitpark
Sicht auf den Freizeitpark vom Riesenrad

Und heute war wieder Montag. Ich bin wie immer zur Schule gegangen, aber danach musste ich mich von Salmas Familie verabschieden. Die letzten drei Wochen werde ich wieder bei Ilham wohnen. Obwohl es nicht endgültig war (ich möchte nochmal zum Kochen vorbeikommen, und kurz vor der Abreise übernachte ich ich auch nochmal dort) war ich ziemlich traurig. Am Anfang hatte ich ehrlich gesagt so meine Befürchtungen, aber die Familie ist mir jetzt auch sehr ans Herz gewachsen. Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie schwer der Abschied vor meinem Abflug wird...

Haus
Salmas Haus

Flechten
In Salmas Wohnzimmer beim Haare flechten

Jetzt gehe ich aber erstmal in meinem neuen alten Bett schlafen, es ist schon halb zwölf (zwei Stunden später als bei euch). Gute Nacht!

P.S. Morgen übertrage ich die Fotos von meiner Kamera und kann dann auch ein paar auf die Website stellen.

6. März 2017: Bericht 8 - Eure Fragen

Wie sehen die Wohnhäuser aus, sind sie aus Stein?

Ja, die Häuser sind wie in Deutschland aus Stein. In der Stadt gibt es viele mehrstöckige Häuser (u.a. auch Plattenbauten aus DDR-Zeiten), in den Vororten und Dörfern sind die meisten Gebäude einstöckig. Die Fenster sind normalerweise nicht aus Glas, sondern mit Fliegengitter oder Fensterläden und in Salmas Haus sind im Wohnzimmer Vorhänge statt Türen. All das dient denke ich dem Durchzug, damit es wenigstens etwas kühler ist.

Was ich in Deutschland noch nie gesehen habe, ist eine Art Bodenfolie, die hier fast jeden Zimmerboden bedeckt. Es gibt alle möglichen verschiedenen Muster, die meist aussehen wie Fliesen. Das Material erinnert mich allerdings eher an Gummitischdecken.

In vielen Häusern wird mit Kohle (ansonsten mt Gas) gekocht, die Küche befindet sich deshalb zumindest teilweise draußen. Bei meinen beiden Gastfamilien ist sie der einzige Raum mit Waschbecken, im Bad gibt es Wasserhähne auf Kniehöhe und Abflüsse auf dem Boden. Deshalb stehen auch vor jedem Badezimmer Latschen, die wir vorm Betreten anziehen.

Da in der Regel auf dem Boden gegessen wird, gibt es hier auch wenige Tische und Stühle, dafür oft mehrere Sofas im Wohnzimmer.

Was Fernseher, Schränke, Bilderrahmen etc angeht sieht aber alles recht ähnlich aus, finde ich.

Wohnzimer
Wohnzimmer

Was arbeitet dein Gastvater bzw. Gastmutter?

Ilhams Vater repariert Computer, Fernseher und andere technische Geräte, ihre Mutter ist Köchin im eigenen kleinen Restaurant.

Salmas Onkel ist Kapitän oder so, er arbeitet auf jeden Fall auf einem Boot. Sein Bruder, der auch hier lebt, ist Designer z.B. für Prospekte, Visitenkarten etc. Was Salmas Mutter macht weiß ich nicht genau, aber sie arbeitet in einem Büro.

Wie groß ist die Stadt und wie ist der Verkehr?

Laut Wikipedia hat Stonetown etwa 16'000 Einwohner. Das ist kleiner als meine Heimatstadt Hohen Neuendorf, vom Eindruck her ist sie aber definitiv größer. Das liegt wahrscheinlich unter anderem an den Unmengen von Touristen, und ganz sicher auch am Verkehr. Das beliebteste öffentliche Verkehrsmittel hier ist das Dalladalla (Kleinbus). Wer es etwas privater will fährt mit einem Motoradtaxi. Generell sind die Straßen ganz schön lebhaft, es gibt viele Autos und wenige Ampeln (ich habe gehört, es gäbe nur zwei auf ganz Zanzibar). Der Linksverkehr macht es für mich nochmal schwieriger die Straße zu überqueren, da ich immer in die falsche Richtung gucken will. Glücklicherweise sind aber auch immer viele Fußgänger*innen unterwegs, an die ich mich anschließen kann.

Wie groß ist die Schule, gehen Mädchen und Jungen in eine Klasse?

Die Hamamni Secondary School hat über 1000 Schüler*innen von Form I bis Form VI (8.-13. Klasse). Um diese Zahlen zu stemmen, findet der Unterricht in 2 Schichten statt, die Hälfte kommt vormittags, die Hälfte nachmittags. Nach einem Monat wird gewechselt.

Mädchen und Jungen (bzw. junge Frauen und Männer - viele beenden die Schule erst mit 20-25) gehen in die gleiche Klasse.

Gehen alle Kinder zur Schule oder ist es ein Privileg?

Theoretisch ja, aber so wie ich das verstanden habe, wird die Schulpflicht nicht Überfall durchgesetzt. Manche Eltern in den Dörfern schicken ihre Kinder (v.a. Mädchen) nicht zur Schule, da sie kein Geld haben oder keinen Nutzen darin sehen. Aber mittlerweile werden die meisten Eltern auch über den Nutzen von Bildung aufgeklärt.

Wie in Deutschland gehen außerdem nicht alle gleich lange zur Schule. Es gibt mehrere "National Exams", z.B. in Form IV, die man bestehen muss, um weiter lernen zu dürfen.

Was für Aussichten oder Pläne haben die Schüler*innen nach ihrer Schulzeit?

Die Wünsche sind eigentlich ganz genau die Gleichen wie in Deutschland: Ilham möchte z.B. Ärztin werden, Salma glaube ich Pilotin, und mehrere der Jungs in meinen Deutschkursen Reiseleiter.

Nach der Form VI können die Schüler*innen zur Uni gehen. Auf Sansibar gibt es drei große Universitäten und mehrere Kleine, viele gehen aber auch aufs Festland oder bewerben sich für ein Stipendium im Ausland.

Woher nimmst du die Kenntisse, wie man jemandem systematisch Deutsch beibringt und wie sieht deren prakische Umsetzung aus? Mit welchen Materialen arbeitest du?

Ich benutze das Lehrwerk "Menschen" vom Hueber-Verlag, welches mir von einer DAF-Lehrerin für Geflüchtete vorgeschlagen wurde. Es ist für Jugendliche und Erwachsene ausgelegt und passt daher recht gut. In dem Materialangebot für "Menschen" befindet sich auch ein Lehrerhandbuch, in dem für jede Lektion ausführliche Unterrichtsvorschläge und Hinweise gegeben werden. Da ich keine anderen Kenntnisse habe, versuche ich mich größtenteils daran zu halten. Meine Schüler*innen fragen allerdings sehr viel, und so greife ich teilweise auch schon sehr weit vor, sofern ich weiß, wie ich die Grammatik erklären kann (bei den vier Fällen war ich überfordert...).

Mit nur 1-2 Kursbüchern und einem sehr begrenzt funktionierenden Kopierer sind meine Möglichkeiten außerdem etwas eingeschränkter als das Lehrerhandbuch fordert. Meist arbeiten wir mit einer Mischung aus Buch (inklusive vieler Höraufgaben) und Tafel, aber letzte Woche habe ich meinen Laptop mitgebracht, um ein paar der Filme zu gucken, die auch zum Material gehören.

Ist die Struktur des Unterrichts abhängig von der Muttersprache des Lernenden?

Da "Menschen" auf Geflüchtete aus verschiedenen Ländern zugeschnitten ist, arbeite ich mit einer muttersprachenunabhängigen Struktur und in dem Buch wird allein auf Deutsch als Kommunikationsmittel zurückgegriffen. Wir vergleichen allerdings oft mit Englisch (Kiswahili ist von der Struktur her kaum vergleichbar).

Wie machst du das, wenn laufend neue Leute kommen? Wie managst du die verschiedenen Level der Schüler*innen und die unplanbare Vielfältigkeit?

Das ist tatsächlich ein Problem. Wenn mich Leute fragen, ob sie noch nachträglich einsteigen können, sage ich deshalb auch immer, dass das nicht geht. Wenn die Schüler*innen aber einfach auftauchen, kann ich sie ja nicht einfach wegschicken. Gerade heute hatte ich es wieder. Wir sind eigentlich schon in Lektion 4, und da saß plötzlich ein neuer Schüler im Kurs, der nicht mal seinen Namen sagen konnte. Ein paar Sachen wie die Verbkonjugation mache ich dann mit allen Schüler*innen zusammen nochmal mit einem aktuellen Beispiel. Ansonsten kriegen die alten Schüler*innen mein Handy mit einer Höraufgabe in die Hand gedrückt und ich wiederhole im Schnelldurchgang, was die Anderen verpasst haben.

Es ist nicht immer einfach, aber irgendwie macht das differenzieren und spontane Reagieren auch Spaß.

Machst du viel mündlich, d.h. ist Sprechen wichtiger als Lesen/Schreiben?

Tatsächlich habe ich darüber noch nicht wirklich nachgedacht...aber ja, Sprechen und Hören ist wichtiger als Schreiben. Das habe ich nach ein paar Versuchen aufgegeben, da ich in den Vokabelheften sehe, dass sie sich weder an Rechtschreibung noch an Groß- und Kleinschreibung sonderlich interessiert zeigen und lieber so schreiben, dass sie es aussprechen können. Außerdem benutzen hier alle Hefte statt einzelner Blätter, was ein Einsammeln von Texten kompliziert macht. Sprechen üben wir dafür sehr viel und das klappt dementsprechend auch frei schon sehr gut.

Wenn ich die Berichte so auf mich wirken lasse, wirken sie im Bezug auf Nachhaltigkeit eher entmutigend als ermutigend. Wie geht es dir damit?

Teilweise geht es mir auch so. Letzten Dienstag (nach dem letzten Bericht) ist das Skypen schon wieder gescheitert, diesmal daran, dass das Internet zu langsam war (was dienstags anscheinend immer so ist). Da hätte ich schon am Liebsten einfach hingeschmissen und wäre ausgerastet. Aber eigentlich hoffe ich immer noch, dass sich alles irgendwie einpendelt. Das erste Mal ist immer das Schwerste und immerhin gibt es jetzt schon verantwortliche Schüler*innen, mit denen ich daran arbeiten kann, die Kommunikation am Leben zu erhalten. Dass der Deutschclub jetzt eine Struktur hat, ist sehr erleichternd und ich hoffe, dass diese sich bewährt. Es geht zwar alles sehr viel langsamer voran als ich am Anfang dachte, aber ein paar Sachen habe ich doch schon erreicht.

Ich weiß, dass ich meine Aufgaben mache, so gut und schnell ich kann, und letztendlich ist es nicht meine Schulpartnerschaft, das heißt die Hamamni School muss selbst entscheiden, was sie von meinen Ideen und Angeboten nutzen will.

Kurz gesagt: ich versuche es mir nicht mehr so zu Herzen zu nehmen, wenn etwas nicht nach Plan läuft, sondern es einfach als Erfahrung zu sehen. Außerdem meckere ich auch einfach gerne und male alles etwas schwarzer als ich es eigentlich sehe.

28. Februar 2017: Bericht 7 - Der Skype-Fluch

Im vorletzten Bericht war ich ja ganz optimistisch bezüglich des Skypens gewesen: das Mikrofon war da und wir hatten schon einen Termin zum Testen ausgemacht. Ich kam auch pünktlich in die Schule und stellte alles am Computer ein. Das Einzige, was noch gemacht werden musste, war, sich mit dem Schulaccount anzumelden. Die Daten dazu hatte einer der Computerlehrer, der den Account auch erstellt hatte. Ich bat ihn also, sich einzuloggen. Er probierte etwa 10 verschiedene Passwörter aus und ich ahnte schon Schlimmes...und wirklich: er musste zugeben, dass er die Zugangsdaten vergessen hatte. Das Wiederherstellen hat auch nicht funktioniert, also versuchte er einen neuen Account einzurichten.

Etwa 20 Minuten habe ich nur gewartet, aber irgendwann habe ich (obwohl der Lehrer das Angebot ausdrücklich ausgeschlagen hatte) selbst den Versuch gestartet, einen neuen Account zu erstellen. Das war nicht ganz einfach, aber letztendlich habe ich es geschafft. Die Falkenseer Pause war allerdings mittlerweile vorbei und so verabredeten wir uns für den nächsten Tag noch einmal.

Diesmal war ich besser vorbereitet. Ich kam früher in die Schule, meldete mich an und probierte alles nochmal aus, sodass wirklich nichts mehr schiefgehen konnte. Dachte ich ... denn nun gab es in Falkensee ein Problem mit der Anruffunktion. Selbst wenn ich versucht habe anzurufen, konnten sie das nicht annehmen. Ein bisschen beruhigend war es zwar, dass die Probleme auch mal auf der anderen Seite lagen, aber ärgerlich war es trotzdem.

Wir sind dann so verblieben, dass mir ein neuer Termin vorgeschlagen wird, wenn die Falkenseer ihr Problem gelöst haben. Dieser war am nächsten Dienstag, also vor einer Woche. Kaum zu glauben, aber es hat wirklich funktioniert! Miss Whahida, die verantwortliche Club-Lehrerin, kam sogar zufällig vorbei und wir konnten gemeinsam den Termin für das Gruppentreffen besprechen, welches zwei Tage später angesetzt wurde.

Am Donnerstag versammelten sich also alle Clubmitglieder im Raum der Form-VI, der neben dem Computerraum ist. Ich saß währenddessen schon im Computerraum, da ich vorher Deutschunterricht hatte und dort gewartet habe. Klingt soweit ja ganz positiv, es gab nur ein Problem: es gab keinen Strom.

Stromausfall ist hier öfter mal, wenn z.B. Leitungen repariert werden etc. Normalerweise dauert das aber wenige Minuten, höchstens vielleicht eine halbe Stunde. Wie mir erklärt wurde, war dies aber nicht wirklich ein Stromausfall. Die Hamamni School kauft ihren Strom nämlich Prepaid, und ihr Guthaben war aufgebraucht. Ich weiß nicht, ob es dieses System auch in Deutschland gibt, ich habe jedenfalls noch nie davon gehört und war entsprechend verdutzt, als mir gesagt wurde, dass schon ein Schüler losgeschickt sei, neuen Strom zu kaufen. Ich saß also buchstäblich schwitzend im Computerraum und musste Daumen drücken, dass wir noch rechtzeitig für den Termin Strom bekommen würden. Aber die Pause der Falkenseer kam und es tat sich nichts. Nach einer halben Stunde warten mussten die deutschen Schüler*innen wieder in den Unterricht und jede Hoffnung auf wenigstens 5 Minuten skypen war dahin.

Ich ging also rüber in den Form-VI-Raum um die schlechten Nachrichten mitzuteilen, den neuen Vorschlag (28.02.) abzuklären und beim Club-Treffen dabei zu sein. Darauf hatte ich mich sehr gefreut, denn es sollte der Termin sein, bei dem über die Struktur des Clubs gesprochen werden sollte und alle möglichen Verantwortlichen gewählt werden sollten. Da ich ja selbst etwas Erfahrung mit AG-Arbeit habe, war ich sehr gespannt wie das hier ablaufen würde (im Bezug auf Lehrer-Schüler-Verhältnis, Diskussionskultur usw.). Leider sollte auch das nicht sein. Offensichtlich hatten sie schon ohne mich angefangen und so lief es letztendlich so ab wie das letzte Treffen: Miss Whahida und Ali erzählten mir, was besprochen wurde und ich konnte Fragen stellen. Da war ich echt enttäuscht! Irgendwie habe ich das Gefühl, dass sie mich bei den "richtigen" Treffen gar nicht dabei haben wollen. (Ursprünglich war dieses Treffen schon für letzten Samstag geplant - das ist dann wegen Krankheit ausgefallen -  und Miss Whahida hatte mir ausdrücklich gesagt, ich bräuchte/ sollte nicht kommen.) Aber immerhin konnte ich meine Fragen loswerden und was mir erzählt wurde, klang auch recht strukturiert und positiv.

Noch kurz was zum Deutschunterricht: in der Hamamni School sind jetzt konstant zwei bis fünf Schüler*innen dabei, die sehr motiviert sind und sich auch schon recht gut verständlich machen können. In der Mikunguni School waren wir letzten Sonntag zu zehnt, von der Hälfte wusste ich nichtmal, woher sie von dem Angebot wussten. Sie schienen alle sehr motiviert und wollten am liebsten sechsmal pro Woche Unterricht haben, beim Hamamni-Unterricht mitmachen und mir in meiner Freizeit für mehr Übung folgen. Diesen Sonntag ist allerdings niemand von ihnen wieder aufgetaucht...

So jetzt muss ich mich aber langsam auf den Weg zur Schule machen ... gleich wollen wir skypen. Drückt uns die Daumen, dass wir den Skype-Fluch endlich brechen können!

LG Jana

P.S. Im nächsten Bericht werde ich ein paar Fragen beantworten. Wenn euch also etwas bestimmtes interessiert, schreibt mir das doch gerne per Mail oder WhatsApp.

20. Februar 2017: Bericht 6 - Zwei Hälften

Heute ist genau die Hälfte meiner Reise vorbei. Ein komisches Gefühl. Einerseits kommt es mir so vor, als wäre ich schon ganz lange hier, anderseits ist die Zeit auch total schnell vergangen. Ich habe schon viel geschafft, aber eigentlich auch fast nichts. Ich wünschte mir, ich hätte noch mehr Zeit, und wäre gern schon wieder zuhause.

Zwei Seiten einer Reise, wie die zwei Seiten einer Welt, die ich tagtäglich kennenlerne. Ein paar der Unterschiede, die mir im Alltag auffallen, möchte ich heute mit euch teilen. Dabei sei vorab gesagt, dass alles meine subjektiven Eindrücke und Meinungen sind, ich vielleicht manches falsch verstehe oder schlecht in Worte fasse, und vor allem: es gibt unglaublich viele Dinge, die ich hier genauso erlebe, wie ich es gewohnt bin, und mir deshalb gar nicht auffallen.

Essenstechnisch ist zum Beispiel grundlegend alles ähnlich, bei den Feinheiten gibt es dann Unterschiede. Als Grundnahrungsmittel gibt es in der Regel Reis, Kartoffeln sind dagegen ganz normales Gemüse. Nudeln werden im Alltag eher weniger gegessen. Als "Insel der Gewürze" liegt es außerdem nahe, dass mehr und vielfältiger gewürzt wird, als ich es gewohnt bin. Und dann ist da noch der Unterschied wie gegessen wird: üblicherweise mit der Hand, ansonsten mit einem Löffel. Eine Gabel habe ich bis jetzt nur bei Geburtstagen gesehen, bei denen der Kuchen sich gegenseitig mit ebenjener Gabel gefüttert wird.

Mit Händen oder Löffel zu essen war zwar am Anfang ungewohnt, aber kein Problem. Bis ich erfuhr, dass (aufgrund der Religion) nur mit Rechts gegessen wird. Eine Katastrophe für mich als Linkshänderin! Mit den kleinen Jogurtlöffeln habe ich immer noch meine Schwierigkeiten, der Rest ging aber nach etwas Übung "mit links".

Links ist hier die "Waschhand". Die Einheimischen verwenden kein Toilettenpapier, sondern Wasser- und eben die linke Hand. Papier kann man aber zum Glück trotzdem kaufen, wovon ich auch Gebrauch gemacht habe, trotz mehrfacher Diskussionen, dass Wasser doch viel hygienischer sei.

Was mir sehr oft auffällt, ist, dass Religion hier ganz anders gehandhabt wird, als in Deutschland. Undenkbar, dass (an staatlichen Schulen) morgens verpflichtend gebetet wird und die Schüler eine "Betpause" haben. Da etwa 95% der sansibarischen Bevölkerung Muslime sind, wird natürlich muslimisch gebetet. Die restlichen Sansibaris sind Christen. Leute, die nicht an Gott glauben, gibt es hier nicht (Aussage eines meiner Schüler).

Vor ein paar Wochen habe ich mir das Civics-Buch (Politische Bildung) von Ilham angeschaut, auch darin wird durchaus mal Bezug auf Gott genommen. Gefühlt steht außerdem auf jeder zweiten Seite eine Ermahnung, dass man keinen Sex vor der Ehe haben darf. Ehrlich gesagt fand ich das Buch ein bisschen erschreckend, viele Dinge, die als Fakten dargelegt wurden, waren in meiner Schule höchstens eine Grundlage für Diskussionen. Generell sind viele Schulbücher hier so, wie ich meine Zusammenfassungen fürs Abi geschrieben habe: Überschrift- Definion- evtl. Bild- nächste Überschrift. Und das alles auf Englisch, der Unterrichtssprache hier. Wie mir erklärt wurde, liegt das unter anderem daran, dass es viele Wörter (z.B. Sauerstoff) im Kiswahili gar nicht gibt und Unterricht deshalb in dieser Sprache kaum möglich wäre.

Doch es gibt natürlich auch abseits von Religion Unterschiede. Die Unterschiede in der Gesprächskultur sind für mich am Präsentesten. Nach meiner Erfahrung ist Deutschland ein eher smalltalkarmes Land, was es für mich manchmal sehr anstrengend macht, alle Unterhaltungen freundlich mitzumachen.

Jede*r Zweite, dem ich auf der Straße begegne, fragt mich wie es mir geht. Das wird hier generell sehr gerne gemacht, und ich als "weiße Touristin" falle halt nochmal mehr auf. Ich habe aber festgestellt, dass es ganz gut funktioniert, einfach im Laufen zu antworten, zurückzufragen und dann geht das gleiche mit der nächsten Person weiter. Diese Gespräche stören mich also in der Regel nicht. Gruseliger finde ich es, wenn mir Männer entgegenkomme, Sachen wie "Hello pretty lady" sagen und mich anstarren (das passiert aber zum Glück nicht oft und ist sicher auch in Deutschland möglich, nur falle ich dort halt nicht auf).

Die Liebe zum Smalltalk geht natürlich auch unter Bekannten weiter, wenn ich die Schule betrete, muss ich damit rechnen, von zig Lehrer*innen und Schüler*innen begrüßt zu werden, von denen mir viele auch noch irgendwas erzählen wollen.

Was ich aber am wenigsten nachvollziehen kann ist Smalltalk übers Handy. Es haben zwar längst nicht alle Schüler*innen Whatsapp, aber wer es verwendet, schreibt viel und gerne. Da kommen dann auch Konversationen wie die Folgende zustande:

"Hi- Hey - Wie gehts?- Gut und dir? - Auch gut. Wollte nur mal Hi sagen. - Okay. - Okay,bis bald."

Und das wiederholt sich dann alle paar Tage. Ich wurde auch schon von Leuten angeschrieben, die ich gerade mal 5 Minuten gesehen hatte und mit denen ich vielleicht zwei Worte gewechselt hatte, die sich meine Nummer von meiner Gastschwester besorgt haben.

An sich ist es eigentlich nett, auch mal so mit Leuten zu reden und Fremden einen schönen Tag zu wünschen, aber ich bin davon leider sehr schnell überfordert oder genervt. Ich glaube, in einer fremden Sprache ist es auch noch mal anstrengender, und viele Fragen an mich wiederholen sich, was das Ganze für mich auf Dauer langweilig macht.

Natürlich kommen auch immer wieder interessante und einzigartige Fragen bzw. Ansichten zutage. Fragen wie "kannst du zu mir nach Hause kommen und mir zeigen, wie ich meine Pflanzen anbauen soll" überfordern mich zwar noch mehr, aber ich finde es spannend, herauszufinden, wie mein*e Gesprächspartner*in auf die Idee kommt, ich wäre dafür geeignet.

Und wer hat bloß erzählt, dass in Deutschland alles billig sei? "Du scheinst es nicht zu verstehen. Hier gibt es Laptops, die über 300000 Shiling (150€) kosten."

Ich frage mich, wie viele falsche Vorstellungen ich von anderen Ländern habe...

Mit dieser kleinen Anekdote beende ich meinen Bericht, der schon ziemlich lang geworden ist. Nächstes Mal erzähle ich euch, wie es mit dem Skypen weitergegangen ist. So problemlos wie ich dachte, war das nämlich doch nicht....

LG Jana

14. Februar 2017: Bericht 5 - Gute Nachrichten

Letzten Donnerstag hatten wir endlich ein Treffen des Deutschclubs. Neben Miss Whahida, einer der Lehrerinnen die mit in Deutschland war, waren ein weiterer Geografielehrer und sechs oder sieben Schüler*innen anwesend. Wenn die Falkenseer Gruppe im Juli zur Hamamni-Schule kommt, soll im Rahmen des Projektes auch die Sugar Cane Farm besucht werden, wegen der das Treffen letzten Mittwoch ausgefallen ist. Darin bin ich zwar nicht involviert, trotzdem wurde mir ausführlich von den Planungen berichtet, und in meinen Ohren klingen sie recht strukturiert.

Danach konnte ich das geplante Skypen und das Problem mit dem Mikrofon ansprechen. Meine Hoffnung, für das Geld einen Kuchenbasar zu organisieren und damit zu zeigen, dass Fundraising gar nicht so schwer ist, hat sich leider in Luft aufgelöst. Die 30.000 Shiling wurden mir gleich vor Ort in die Hand gedrückt. Mir wird wirklich ein großes Vertrauen entgegengebracht, ich musste weder für das Geld unterschreiben, noch soll ich eine Quittung für das Mikrofon abliefern (in diesem Fall ein Glück, da das ja irgendwie privat organisiert ist und ich nicht weiß, ob sie mir eine Quittung ausstellen könnten).

Gestern Nachmittag habe ich das Mikrofon abgeholt und gleich in der Schule getestet. Nachdem wir etwas in den Lautstärkeeinstellungen herumgespielt hatten, hat es problemlos funktioniert und heute werde ich versuchen, mit den Falkenseern zu skypen (erstmal als Test). Da momentan noch Vorprüfungen der Form-VI-Schüler*innen sind und die Form-III-Schüler*innen noch nicht alle da sind (1), wird das erste Meeting der beiden Gruppen wahrscheinlich erst am 23.Februar stattfinden.

Vom Deutschunterricht an der Hamamni gibt es nichts neues, die nächste Stunde findet erst in einer Woche statt, da meine Schüler*innen immer noch sehr beschäftigt mit ihren Vorprüfungen sind.
In der Mikunguni School hatte ich gestern meine zweite Stunde. Von den fünf Anwesenden waren drei beim ersten Mal nicht dabeigewesen (und von einem habe ich keine Ahnung, wer das überhaupt ist:D), trotzdem sind wir schon mit der ersten Lektion fertig.

Letzten Mittwoch bin ich umgezogen, ich wohne jetzt direkt in Stonetown bei Salmas Familie. Am Anfang musste ich mich erst wieder einleben, hier sind viele Dinge nochmal ganz anders, aber mittlerweile fühle ich mich hier auch ganz wohl. Das Haus hat zwei Etagen, unten wohnt die Familie einer Tante, oben wir. Ich schlafe mit Salma in einem Zimmer. Sehr angenehm ist, dass wir im Schlafzimmer und im Wohnzimmer einen Ventilator haben (laut Nachrichten ist es 33°C). Die Familie hat eine europäische Toilette, allerdings spült man trotzdem mit einem Wassereimer. Sie haben auch Haustiere (Fische und Vögel) und Wlan (aber das scheint nur abends anzusein). Außerdem läuft fast immer der Fernseher oder das Radio. Ich verstehe zwar nicht so viel, außer bei Filmen (die laufen auf Englisch mit arabischen Untertiteln), aber es ist nicht schlecht zum Üben.

Jeden Donnerstagabend betet die ganze Familie gemeinsam, und ich war dabei. Da Salma nur gesagt hat „komm mit, wir gehen nach unten, und trag‘ ein Kopftuch“, war ich zuerst etwas überfordert. Ich hatte muslimische Gebete bis jetzt höchstens im Film gesehen. Wir saßen alle im Kreis und eine Person hat aus einem Büchlein vorgelesen/ gesungen. Eigentlich klang es ähnlich wie in unserer Kirche, es war halt nur auf arabisch und geschätzt länger als eine halbe Stunde. Die anderen Personen haben mitgesprochen. Die Kleinen konnten noch nicht alles, die Erwachsenen hätten das Buch wahrscheinlich gar nicht gebraucht. Ich vermute mal, der Text war ein Kapitel aus dem Koran. Zusätzlich zur normalen Schule gehen die Kinder hier nämlich auch noch zur Madrasa und lernen nach und nach die Kapitel des Korans auswendig (ich glaube, es gibt ungefähr 30).

Die ersten Tage bei Salma hatte ich das Gefühl, sobald ich alleine aus dem Haus ginge, würde ich mich verlaufen, jetzt geht es aber schon. Nur ein paar Straßen weiter gibt es eine ganze Reihe Touristenläden, also ist in nächster Zeit ein bisschen Shopping angesagt;)

Gleich werde ich aber erstmal zur Schule gehen und vielleicht schon ein paar Postkarten schreiben. Alles ganz entspannt!

Liebe Grüße, eure Jana


(1) In Form II – wie auch in Form IV und VI – werden National Exams geschrieben. Wenn die Ergebnisse feststehen, teilt die Regierung den Schulen ihre neuen Schüler*innen zu. Diese Zuteilung wird vorraussichtlich nächste Woche abgeschlossen sein.

6. Februar 2017: Bericht 4 - Von Mikrofonen und Absprachen

Der Deutschunterricht geht im Moment etwas langsamer voran, denn die Form-VI-Schüler*innen haben gerade Prüfungen. Letzten Dienstag haben wir deshalb beschlossen, die nächsten beiden Samstage Unterricht zu machen, dafür aber unter der Woche ausfallen zu lassen. Samstags in die Schule zu kommen ist hier kein Problem, denn viele Schüler*innen gehen am Wochenende zum Tutoring bzw. Nachhilfe- oder Extraunterricht. Fleiß scheint hier zum Glück weniger verpönt zu sein als an deutschen Schulen (als Klassenbeste hat meine Gastschwester allerdings trotzdem manchmal Probleme).

Deutsch 1
Deutschunterrricht

Deutsch 2
Deutschunterrricht

Auch ohne Deutschunterricht war ich fast jeden Tag in der Schule. Wie ich im letzten Bericht erwähnt hatte, haben die Computer der Hamamni School keine integrierten Mikrofone. Um das Skypen langfristig zu ermöglichen, ohne auf Personen angewiesen zu sein, die vielleicht mal ihr persönliches Mikrofon ausborgen können, müssen wir also eins kaufen.

Da ich erstens nicht viel Ahnung von Computern habe (vor allem nicht auf Kiswahili) und zweitens befürchtete, als "weiße Touristin" ein schlechteres Angebot zu bekommen, habe ich die Computerlehrer gebeten, den Preis eines geeigneten Mikrofons herauszufinden. Mit dieser Zahl, so mein Plan, würde ich dann im Deutschclub-Treffen aufwarten, und wir könnten gemeinsam an einer Lösung (z.b. einem Kuchenbasar) arbeiten.

Soweit, so gut. Der (meiner Meinung nach) verantwortliche Lehrer hatte aber offensichtlich unsere Absprachen anders verstanden als ich, und war erstaunt, als ich ihn am Montag fragte, ob er schon etwas rausgefunden hätte. Also habe ich nochmal erklärt, dass es besser ist, wenn er den Preis erfragt, und wir sind so verblieben, dass er ihn mir am Dienstag mitteilt.

Dass er das am nächsten Tag leider vergessen hatte, war beim ersten Mal zwar schade, aber nicht tragisch, beim zweiten Mal ärgerlicher, und am Freitag habe ich mich etwas veräppelt gefühlt, als er mich wieder auf Montag vertröstet hat (aber diesmal versprochen!).

Heute bin ich also extra deshalb zur Schule gefahren, der Deutschunterricht ist ja ausgefallen. In dem Moment, in dem ich den Computerraum betrat und nur ein erschrockenes Gesicht sah, wusste ich schon, das war wieder nichts. Immerhin haben er und ein zweiter Lehrer mich dann zu zwei Shops geschleppt, in denen es aber keine Mikrofone hab. Ihre Lösung: für den Anfang leiht uns der eine Lehrer sein Mikrofon, und in der Zeit kann ich weitersuchen.

Das ist zwar echt nicht optimal, schien mir aber die einzige Lösung mit Aussicht auf Erfolg zu sein. Zurück in der Schule habe ich mich also kurz ausgeruht und wollte mich dann auf die Suche nach Elektroläden machen, bewaffnet mit einem Wörterbuch und ein paar Fotos von Mikrofonsteckern (danke nochmal, Papa!). Auf dem Weg hat mich aber zum Glück mein Kumpel Saleh, der Verkäufer im Kiosk neben der Schule, abgefangen. Ich habe ihm erzählt, was ich vorhabe, und er ist ungefragt drei Stunden mit mir durch die Stadt gelaufen und hat mir geholfen! Ohne ihn hätte ich wahrscheinlich immer noch keine Lösung, aber mit seinem Bruder oder Kumpel hat er jetzt etwas besprochen, dass ich nicht ganz verstanden habe. Auf jeden Fall bekommen wir für 30.000 Shilingi (15€) ein Mikro. Jetzt brauchen wir also nur noch das Geld....

Da kommt der Deutschclub ins Spiel, die AG, die sich mit der Schulpartnerschaft beschäftigt. Leider kenne ich bis jetzt fast nur die Mitglieder, die letztes Jahr nach Deutschland gereist sind, denn (soweit ich weiß) hat der Club sich dieses Jahr noch nicht getroffen.

Das sollte sich letzten Dienstag ändern. Eher zufällig hatte ich den Schülerprasidenten Ali am Montag gefragt, ob es schon Pläne für ein Treffen gäbe, und war erstaunt, als er antwortete "ja, morgen". Als Unterstützerin der Schulpartnerschaft war ich davon ausgegangen, dass ich quasi pflichtmäßig dabei sein würde, das war aber anscheinend nicht der Fall. Hätte ich nicht gefragt, wäre ich um die geplante Uhrzeit (10:00) noch lange nicht in der Schule gewesen.

Als ich am nächsten Tag in der Schule aufkreuzte, wusste aber niemand von einem Treffen und Ali war nicht da. Wie ich später erfahren sollte, war ein Hamamni-Schüler von einem Auto überfahren worden, und die Beerdigung kam mit dem Club-Treffen in die Quere. Bis zum Unterrichtsbeginn habe ich mich also mit Saleh unterhalten und bin in ein paar Touristenläden gegangen. Beim Unterricht hat Ali mich dann über die Beerdigung und den neuen Termin, Mittwoch, informiert.

Mittwoch. Kein Problem, da ich ja ursprünglich davon ausgegangen war, zu unterrichten, hatte ich nichts vor. Also ab in die Schule....da ein erfolgreiches Treffen aber die ganze Stimmung des Berichts kaputtmachen würde (haha), musste natürlich wieder etwas dazwischenkommen. In Vorbereitung auf das Projekt im Sommer wollten die Deutschclub-Schüler*innen eine Sugar Cane Farm besichtigen. Die Zustimmung kam am Mittwochmorgen und war nur genau an diesem Tag gültig. Ein verständlicher Grund, für mich aber ärgerlich. Damit ich nicht ganz umsonst in die Stadt gefahren war, habe ich den Tag für ein bisschen Shopping genutzt.

Miss Whahida, Geografielehrerin und Organisatorin, hat als neuen Termin nun den nächsten Donnerstag festgelegt. Drückt mir die Daumen, dass es diesmal stattfindet!

Liebe Grüße

Eure etwas genervte Jana

P.S. Dieser Bericht ist aufgrund meiner momentanen Stimmung leider ziemlich negativ, der ganze Stress mit dem Mikrofon hat ja heute seinen Höhepunkt erreicht. Der Deutschunterricht, meine Familie und mein Alltag sind aber nach wie vor super! Gestern war ich mit meinem Gastbruder am Strand in Buyu. Seit Mittwoch trage ich draußen meistens ein Kopftuch. Zusätzlich zum Sonnenschutz habe ich auch das Gefühl, dass man mir damit mehr Kiswahili zutraut.

28. Januar 2017: Bericht 3 - Der Alltag beginnt

Zwischen acht und neun Uhr (bzw. zwei und drei Uhr Swahili-Time) wache ich auf. Ich bleibe noch ein bisschen liegen und genieße die kühle Ventilatorluft, bevor ich aufstehe und mit einem "Habari za asubuhi?" die Terrasse betrete.

"Jana! Umeamka?" - "Ndiyo."
"Mzima?" - "Mzima."
"Mambo?" - "Poa."

Ich suche mir einen Sitzplatz, lese oder schreibe ein bisschen, dann gibt es Frühstück. Meistens esse ich Omelette mit Brot, dazu gibt es chai, also Tee, der hier sehr süß getrunken wird.

Nach dem Frühstück beschäftige ich mich weiter auf der Terrasse oder gehe in mein Zimmer, bis Ilham und ich um ca 12 Uhr ein Dalladalla zur Schule nehmen. Auf 20 Minuten Fahrt folgen etwa 10 Minuten Fußweg durch eine verwirrende Anzahl an Straßen und Gassen, dann sind wir in der Schule.

Um ein Uhr beginnt mein Deutschunterricht. Das heißt, um ein Uhr gehen die Schüler beten und je nachdem wie lange sie brauchen, fange ich um halb zwei oder noch später an.

Montag vor zwei Wochen hatte ich meine erste Stunde. Trotz wiederholten Betonens, dass ich nicht mehr als 15 Schüler*innen haben möchte, saßen 20 Form-VI-Students (12. Klasse und etwa 2 Jahre alter als ich) in der Klasse. Was soll's, ich kann ja keinen rausschmeißen!

Der Unterricht war auch noch ziemlich holperig. Da ich noch keine Kopien hatte, musste ich alles an die Tafel schreiben und die Schüler*innen währenddessen selbstständig Üben lassen. Mein Laptop, den ich für die Höraufgaben mithatte, war leider nicht laut genug, dass alle die Texte verstehen konnten. Und ich hatte das Gefühl, dass vielen die Methode auch sehr suspekt war.

Am nächsten Tag sollte ich eine zweite Deutschklasse haben, diesmal Form-V-Schüler*innen (11. Klasse). Diesmal hatte ich Kopien gemacht, 15 Stück. Dementsprechend überrascht war ich, als mir die vier Mädels (darunter Salma, meine potenzielle neue Gastschwester) mir sagten, dass alle da seien.
Gemeinsam mit Ali, dem Schülerpräsidenten und Mädchen für alles, haben wir beschlossen, die Kurse zusammenzulegen. Meine ins geheime Hoffnung, dass ich darazs zwei kleine Kurse machen könnte, erwies sich in der nächsten Stunde als nicht notwendig. Es waren nicht mehr als 16 Leute da, und von da an sank die Zahl stetig.

Die letzten Stunden habe ich mit 3 bis 6 Schüler*innen gemacht, an einem Tag hatten die Form-V-er Unterricht, an einem Tag war der halbe Kurs bei einer Beerdigung.

Der "harte Kern" der Schüler*innen ist aber sehr motiviert dabei, so motiviert, dass ich kaum im Buch vorankomme, weil ich so viel extra erklären und übersetzen soll. Und wenn ich beim Rein kommen "Jana ist meine Lehrerin und Freundin. Richtig?" an der Tafel lese, ist das schon ziemlich cool.

Soweit also zum Deutschunterricht, meiner bis jetzt erfolgreichsten Aufgabe. Letzte Woche sollte ein Skype-Meeting der beiden Schulen stattfinden, was aber schließlich von beiden Seiten aus nicht geklappt hat. Das Treffen der Falkenseer wurde kurzfristig verschoben, und bei uns konnte das frisch installierte Skype-Programm sich nicht mit dem Server verbinden. Ich gebe zu, ich hätte früher anfangen können, an der Hamamni School alles vorzubereiten ... aber aus Fehlern lernt man, und jetzt testen die Computerlehrer und ich alles im Voraus. Probleme haben wir momentan noch durch das Fehlen von Mikrofonen. In meinem nächsten Bericht gibt es dann hoffentlich die Lösung!

Letztes Wochenende war ich übrigens krank und hatte andere Sorgen als meine Berichte. Mit Durchfall, Übelkeit und Kopfschmerzen geht es wohl niemandem gut, und dann noch gefragt zu werden, ob es sich nach Malaria anfühle, hat mir einen ganz schönen Schrecken eingejagt. Zum Glück gibt es im Krankenhaus von meinem Wohnort Chukwani eine Deutsche, die mit mir einen Malariatest (wie erwartet negativ) gemacht hat und mir und meiner Gastfamilie noch ein paar Tipps mit auf den Weg geben konnte.

Das war's erstmal von mir!

Bis bald, eure Jana

P.S. Noch ein Wort zu Malaria: die von Moskitos übertragene Krankheit gibt es auf Sansibar zwar noch, die Anzahl der Malariafälle war aber seit 2008 so niedrig, dass die Insel sechs Jahre lang sogar als malariafrei galt (seit 2014 treten wieder mehr Fälle auf). Ärzte in Malariagebieten sind aber auch entsprechend erfahren im Umgang mit der Krankheit, sodass sie in der Regel kein Problem darstellt.

15. Januar 2017: Bericht 2 - Ankunft

Nachdem ich eine Woche lang nur ein bisschen Internet für mein Handy hatte, habe ich jetzt erstmal unlimited für einen Monat, sodass ich jetzt auch meinen Laptop ein bisschen benutzen kann.

Letzten Donnerstag (5.1.) bin ich am frühen Abend von Tegel losgeflogen, über Frankfurt und Addis Abeba nach Sansibar. Da die Flüge größtenteils in der Nacht waren, habe ich sehr viel geschlafen. Der letzte Flug hatte ein bisschen Verspätung, ansonsten ist alles sehr gut gelaufen.

In Sansibar wurde ich von Birgit und meiner Gastfamilie abgeholt und sofort in mein neues Zuhause gebracht. Das Haus liegt direkt an der Dalladalla-Station von Chukwani, so bin ich theoretisch sehr mobil (bis jetzt fahre ich aber noch nicht alleine in die Stadt).

Dalla-Dalla
Dalla-Dalla 509 Chukwani

Ich schlafe mit meiner Gastschwester Ilham in einem Zimmer, an das sogar ein eigenes Bad angeschlossen ist. Ihre große Schwester Khuwaylat studiert und wohnt deshalb meistens im Hostel, ihr großer Bruder Abdul lebt auch hier zuhause. Des Weiteren gibt es noch zwei kleine Geschwister, Imu (13) und Farhad (12). Die Mutter verkauft Essen in einem Kiosk/ Restaurant, der Vater repariert elektronische Geräte. Es gibt noch einige junge Frauen, die hier auch immer sind, aber ich weiß nicht genau, wer davon auch zur Familie gehört und wer nur für den Kiosk arbeitet.

Die ersten Tage war mir unglaublich heiß, im Vergleich zu dem eisigen Wind in Deutschland, fühlten sich 32°C und Sonne gleich nochmal so warm an. Die Eimerdusche war, genauso wie die Bodentoilette, sehr gewöhnungsbedürftig und ich wollte nichts lieber, als mich in eine kalte Badewanne setzen. Nach ein paar Tagen hatte ich mich aber an beides gewöhnt, die Hitze ist auf der Terrasse mittlerweile erträglich, und im Zimmer habe ich einen Ventilator.

In meiner dritten Nacht war ich ein bisschen krank und musste mich übergeben, was vermutlich an der Hitze und am Leitungswasser lag. Meine Gastfamilie trinkt das ohne Probleme und dachte sich natürlich nichts dabei, mir das auch zu geben. Bis ich realisiert habe, dass ich Leitungswasser trinke, war es aber schon passiert. Da es mir gut ging, habe ich mir nichts dabei gedacht und es weiterhin getrunken….offensichtlich ein Fehler. Am Morgen danach wollte Birgit mich abholen und ein paar Sachen erledigen. Da es mir schon wieder besser ging, hat sie meiner Gastfamilie nur erklärt, dass ich das Wasser nicht vertrage und wir sind dann losgezogen, haben einen Laptop, den ich aus Deutschland mitbringen sollte, zur Krankenstation gebracht und waren unter anderem Toilettenpapier und einen Ventilator kaufen. Seitdem geht es mir besser und ich habe mich gut eingelebt.

Morgen fange ich wahrscheinlich mit dem Deutschunterricht an, darauf muss ich mich heute noch ein bisschen vorbereiten.

Ansonsten lese ich viel, helfe manchmal meiner Gastmutter beim Gemüse schnippeln oder unterhalte mich mit meinen Gastgeschwistern. Zumindest die Großen können sehr gut Englisch, das heißt wir können über wirklich viele Sachen reden. Die Kleinen trauen sich glaube ich noch nicht so recht. Aber selbst mit meiner Gastmutter, die kaum Englisch spricht, kann ich mich ganz gut unterhalten. Sie hat irgendwie die Fähigkeit mir klarzumachen was sie sagt, selbst wenn ich die Wörter nicht alle verstehe.

Das wars erstmal, bis bald!

Jana

Tegel 1 Tegel 2

Oktober - Dezember 2016: Bericht 1 - Praktikum Deutschland

Liebe Alle!

Der Countdown läuft. In 48 Stunden werde ich schon im Flugzeug sitzen und auf dem Weg nach Sansibar sein. Das heißt im Moment vor allem: Stress. Gastgeschenke kaufen, Koffer packen (möglichst so, dass das Gewicht gut verteilt ist), mich von meinen Freunden verabschieden…und habe ich überhaupt passende Schuhe?

Trotzdem (oder vielleicht gerade deshalb) nehme ich mir jetzt endlich mal Zeit, über den ersten Teil meines Praktikums zu berichten.

Von Mitte September bis Mitte Dezember war ich offizielle Praktikantin der RAA Brandenburg, der Regionalen Arbeitsstellen für Bildung, Integration und Demokratie. Diese sehr aufregende Zeit begann mit einigen Fortbildungen zum Globalen Lernen, dem Umgang mit Rassismus und Diskriminierung, den Sustainable Development Goals, etc. Obwohl ich teilweise mit großem Abstand die Jüngste war, haben diese Tage sehr viel Spaß gemacht. In lockerer Atmosphäre (in dem Mileu duzen sich fast alle) und mit einigen Tassen Kaffee kam ich zu vielen interessanten Erkenntnissen. Mein persönliches Highlight war, in Kleingruppen eine fiktive Projektwoche zu planen. In meiner Gruppe sollten wir uns mit Komposttoiletten beschäftigen und ich war am Ende so begeistert von unserem Ergebnis, dass ich das Projekt am Liebsten sofort durchgeführt hätte!

Neben Fortbildungen hatte ich in den ersten Wochen eine weitere große Aufgabe: Videokassetten schauen. Da die Sansibar-Projekte unter Birgit Mitawis Organisation in diesem Jahr 25-jähriges Jubiläum feiern, entstand die Idee, einen Jubiläumsfilm zu produzieren. Neben neu gedrehten Szenen sollten dort natürlich auch Bilder aus den einzelnen Projektjahren gezeigt werden. Also bekam ich eine große Tasche mit 44 Videokassetten aus den Jahren 1992 bis 2005….und dann hieß es Fernsehen. Als Mitglied der „DVD-Generation“ war mir zu Anfang nicht bewusst, dass man Kassetten so viel hin- und herspulen muss und dass das vor allem echt viel Zeit in Anspruch nimmt!

Schon in der Hinsicht war diese Aufgabe also ein Blick in die Vergangenheit für mich. Neben dem Umgang mit einem Videorekorder habe ich aber auch viel über die Entwicklung der Sansibar-Projekte gelernt. Während in den ersten Jahren Studierende aus Brandenburg kamen und gemeinsam mit Sansibaris Klassenräume und Kindergärten bauten, kamen nach einiger Zeit Seminare zu bestimmten Themen wie „Armut“ oder „Ernährung“ dazu. In den letzten Jahren liegt der Fokus verstärkt auf den Seminarthemen und dem Aufbau von Schulpartnerschaften, wie zum Beispiel zwischen Falkensee und der Hamamni School.

Die Unterstützung dieser Partnerschaft war schon in Deutschland ein weiterer Teil meiner Arbeit und wird sich in den nächsten drei Monaten fortsetzen. Ich habe bei einigen Seminaren zuerst die deutschen Teilnehmer*innen kennengelernt, Ende Oktober dann die sansibarischen Partner*innen. Über zwei Wochen war ich fast Vollzeit mit den Sansibaris beschäftigt. Ich nahm an den gemeinsamen Seminaren zur Schulpartnerschaft und zu Kolonialismus teil, begleitete die Austauschgruppe bei den Besuchen im Vicco-von-Bülow-Gymnasium und war die letzten Tage fast dauerhaft in der Unterkunft der Gruppe, um sie beim Schreiben ihrer Berichte, beim Einkaufen und Packen zu unterstützen. So lernte ich die gesamte Gruppe (3 Lehrerinnen, 1 Lehrer, 2 Schüler und eine Schülerin) gut kennen. Besonders mit Ilham, der Schülerin, habe ich mich gut verstanden. Bei ihr werde ich zu Beginn der Zeit auf Sansibar wohnen.

An einem der ersten Praktikumstage war ich mit Birgit bei einer Fortbildung zu Kollegialer Hospitation. Obwohl ich keine echte Kollegin bin, durfte ich im November auch bei zwei Projekten hospitieren. Das erste Mal bin ich leider zu spät gekommen, weil ich nicht mit den Sicherheitsvorkehrungen der Schule gerechnet hatte, dann gab es noch Probleme mit der Technik, deshalb konnte ich daraus nicht so viel mitnehmen. Das zweite Mal war ein „Chat der Welten“-Projekt. Das war vom Inhalt, aber auch von den Teilnehmer*innen her interessant. Außerdem ist ein zentraler Punkt dieser Projekte das Skypen mit Geflüchteten, Menschen aus Ländern des Globalen Südens etc, was auch hilfreich für den Kommunkationsaufbau zwischen Falkensee und Hamamni sein könnte. Es hat mir auf jeden Fall gezeigt, dass auch in den deutschen Schulen oft Internetprobleme auftauchen…

Anfang Dezember habe ich dann noch den Messestand der „BREBIT“, der Brandenburger Entwicklungspolitischen Bildungs- und Informationstage, bei einigen Fortbildungsveranstaltungen für Schulleiter*innen betreut, war ein/ zweimal im Büro und bei der RAA-Weihnachtsfeier, und dann neigte sich mein Praktikum auch schon dem Ende zu.

Insgesamt kann ich sagen, dass es eine sehr schöne und interessante Erfahrung war. Ich habe viele nette Leute kennengelernt und einiges über Bildungsarbeit erfahren. Anstrengend waren allerdings die langen Fahrtwege (nach Potsdam ins Büro fahre ich 2 Stunden), die das Aufstehen wie zu Schulzeiten nicht gerade leichter gemacht haben.

September 2016: Projektvorstellung und Spendenaufruf

 

Hallo!

Mein Name ist Jana Makowski und ich bin 17 Jahre alt (fast 18…). Ich habe gerade Abitur gemacht und werde, bevor ich anfange zu studieren, nun erstmal ein Praktikum machen.

In Ostafrika, vor der Küste Tansanias, liegt Sansibar, die Insel der Gewürze. Kühe und Ziegen am Straßenrand, Marktstände mit unzähligen bekannten und unbekannten Früchten, traumhafte Strände, wie man sie sonst nur in Katalogen sieht, …

Vom 5. Januar bis zum 5. April 2017 werde ich die Insel Sansibar besuchen und möchte euch (im Gegenzug für eine kleine Spende) an dieser Reise teilhaben lassen. Vorab aber ein wenig zum Hintergrund dieser Reise…

Im Sommer 2015 nahm ich ein einer dreiwöchigen Jugendbegegnung auf Sansibar teil. Danach war klar: das war nicht mein letzter Besuch hier. Ich bewarb mich für verschiedene Freiwilligendienste in Ostafrika, leider ohne Erfolg. Als ich die Hoffnung schon fast aufgegeben hatte, traf ich Birgit Mitawi wieder, die im letzten Sommer mit uns nach Sansibar gefahren war. Gemeinsam entwickelten wir eine Idee: ihr aktuelles Projekt, eine Schulpartnerschaft zwischen dem Vicco-von-Bülow-Gymnasium Falkensee und der Hamamni Secondary School in Sansibar Stonetown könnte noch Unterstützung gebrauchen. Das war meine Möglichkeit!

Mitte September starte ich jetzt also mein Praktikum bei der RAA, unter der Leitung von Birgit. Bis Dezember arbeite ich zunächst in Deutschland. Ich werde bei den Seminaren und Workshops der Falkenseer Schüler*innen dabei sein und verschiedene Fortbildungen zum Thema „Globales Lernen“ besuchen. Außerdem bereite ich mich auf meine Aufgaben in Tansania vor, indem ich alleine und auch gemeinsam mit den Schüler*innen Material zu Deutschland und Tansania ausarbeite, die sansibarische Gruppe bei ihrem Besuch im Herbst kennenlerne und natürlich alles für meinen Aufenthalt vorbereite.

Ab Januar werde ich dann auf Sansibar in einer Gastfamilie wohnen und an der Hamamni-Schule arbeiten. Geplant ist eine Art Deutschland-AG, bei der ich mit den Schüler*innen Wissen über Deutschland, aber auch über Tansania erarbeite. Ein Schwerpunkt wird dabei auf der Recherche im Internet liegen. Das Internet wird auch ein wichtiger Bestandteil der Kommunikation sein, wir wollen mit den Schüler*innen in Falkensee skypen und/ oder über E-Mail Kontakt aufbauen, um Ergebnisse miteinander zu teilen. Auf Wunsch der Schüler*innen werde ich mit ihnen auch die Grundlagen der deutschen Sprache lernen, eine Aufgabe auf die ich mich schon sehr freue, die aber wahrscheinlich auch eine der Anspruchsvollsten sein wird.

Soviel also zum Ablauf des Praktikums. Dass das alles, vor allem die Reise nach Sansibar jedoch nicht ohne einen gewissen Geldaufwand möglich ist, ist klar. Die Flugkosten werden hoffentlich vom Programm „Jugend für Entwicklungszusammenarbeit“ übernommen, trotzdem bleiben etwa 100€ monatlich als Eigenanteil für Versorgung und Unterkunft sowie weitere Kosten für Visum, etc. Und ein kleines Taschengeld möchte ich natürlich auch haben….
Um das alles zu finanzieren, möchte ich Spenden sammeln. Je nach Höhe der Spende lasse ich euch im Gegenzug auch gern ein kleines Dankeschön zukommen.

Jede*r Spender*in erhält Berichte von meinem Aufenthalt auf Sansibar (geplant ist min. einer pro Monat) per E-Mail.

Bei einer Spende ab 5€ schicke ich euch eine Postkarte aus Sansibar, gerne auch als Geburtstagsgruß o.ä.

Bei einer Spende ab 15€ bekommt ihr ein kleines Überraschungsgeschenk aus Sansibar (Schlüsselanhänger, Armband,…)

Bei einer Spende ab 25€ bekommt ihr ein größeres Überraschungsgeschenk aus Sansibar (traditionelles Tuch, Bild, Gewürze,…).

Wer mir für mein Projekt in Sansibar eine Spende zukommen lassen möchte, überweist bitte auf folgendes Konto:

Jana Makowski
IBAN: DE33 1605 0000 1100 5095 81
BIC: WELADED1PMB
Verwendungszweck: Vorname, Nachname, "Für Sansibar"

Bitte schickt mir zusätzlich eine Email, falls Ihr meine Berichte erhalten wollt und schreibt auch Eure Anschrift dazu, falls Ihr ein Geschenk oder eine Postkarte möchtet.

E-Mail: Jana@TheMakowskis.de


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Last Update / Letztes Update: Januar 2017